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Uljana Wolf: meine schönste lengevitch

Rezensionen



Jan Kuhlbrodt

wortkaninchen aus ashberys hut

zu den neuen Gedichten Uljana Wolfs.


Ashberys Hut, sprang mir persönlich besonders ins Auge, weil ich seit bald einem Jahr mit Ashberys Flowchart befasst bin und auch versuche, hinter den Sinn von Übersetzungen zu kommen. Ich mache es mir schwer dabei, und werfe meine Wertungen sofort, da sie entstehen, weg. Vielleicht ist es meine Ortsgebundenheit, die mir Leichtigkeit verweigert, hängt mir die deutsche Sprache am Bein wie einem Sträfling im Comic die Eisenkugel. Umso verwunderter bin ich, wenn ich auf Freiheit und Leichtigkeit treffe, und immer wieder natürlich auch erstaunt.


Das Zitat, das hier als Überschrift dient, stammt aus dem Text Doppelgeherrede, der auch auf dem Cover von Uljana Wolfs neuem Buch MEINE SCHÖNSTE LENGEVITCH abgedruckt ist. Mit gutem Grund ist es da abgedruckt, denn der Begriff Doppelgeherrede führt gewissermaßen ins poetische Herz des Buches, das sich dem Spiel zwischen den Sprachen, dem Spiel mit Sprachen verschrieben hat. Es begibt sich in einen intralingualen Konnotationsraum. Und dabei gelingen in den Gedichten präzise Beobachtungen, aus denen sich eben Begriffe wie Doppelgeherrede ergeben.

Der Bedeutungsrahmen der einen Sprache wird in den der anderen nicht übersetzt, sondern aufgenommen und im Zusammenspiel entsteht ein Drittes.
dieser brittleschöne handapparat mit brüchigen linien (Rede mit aufgespicktem Wort).

Es ist also so, als würde Wolf die Sprachen kontrolliert kollidieren lassen und somit sich ein Material schaffen, das – neu zusammengesetzt – ihre Gedichte bildet. Aus diesen Explosionsverwehungen geht kein einheitlicher Raum hervor, so dass Wortballungen zuweilen Sprachballungen sind.

Dazwischen finden sich Abschnitte mit Gedichten, in denen sich die Sprache lokalisiert, fast konventionelle Texte, Ortsbeschreibungen, Stadtgedichte, in denen Anschauung und Gegenstand dem Wortfluss ein Bett geben.


Diese Texte sind formal auch einheitlicher, im Kapitel Mittens beispielsweise, das Texte auf Städte vorstellt, finden sich ausschließlich Strophen, die je aus zwei Versen bestehen. Die letzte Strophe des mit einem Motto des amerikanischen Poeten Bernstein (I live orginality so much I keep copying it) beginnenden Gedichtes Orphans lautet:


zu. das schrieb meine hand sanft geführt vom eigenen druck
auf. schriebs meine hand vom eignen früher sanft gedrückt.


Aber auch hier finden sich Sprachwirbel wie in den anderen Texten, die im Zentrum einen Gedanken auf den Punkt bringen. Die Multilingualität wirkt auch auf die Ausgangssprachen zurück, setzt auch sie in Bewegung.  


In einem Gespräch, das ich 2012 mit Uljana Wolf für den Poetenladen führte, sagte sie Folgendes:


Sicher, das Woanderssein der Dinge ist der Fall, und am besten fällt es in der Sprache, in die Sprache, ein Wort wie Wasserfall – wenn man das Transitorische, Translatorische mitdenkt. Meine Beziehung zur Sprache ist ja von Ortswechseln beeinflusst, und diese stehen für einen ständigen Wechsel vom Englischen ins Deutsche und umgekehrt, und was da fließt ist immer vermischter, »unreiner«, geprägt von eben demselben Zusammenspiel aus Überfluss von allerhand Anderem und Mangel an Zuhandensein, den eine Orts-Erfahrung in sich hat.


Man könnte sagen, dass die Texte Wolfs ein permanentes Fremdsein als das Eigene zelebrieren und dem Fremden damit das Verstörende nehmen, das Unerwartete, Überraschende aber lassen.



Uljana Wolf: meine schönste lengevitch. Gedichte. Berlin (Kookbooks) 2013. 80 Seiten. 19,90 Euro.

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