Tom Bresemann: Deutsches Kalenderblatt - Signaturen

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Tom Bresemann: Deutsches Kalenderblatt

Gedichte
 



Deutsches Kalenderblatt


Boden und Bauern
gehören zusammen,
wie Mörtel und Mauern,
wie Feuer und Flammen.
           Heinrich Sohnrey


1

weithin mitteldeutsche Dämmerung,
der mitgefangen-mitgehangne Hang,

verdruckst, wie alles Leben ringsumher
sich immer wieder weg zu ducken lehrt.

und welcher Tote sagte noch, man sollte
öfter zu den Toten gehen?

die Abraumhalden ruhn, die Schaufeln
schweigen wie Geschütze.

wo jedes Fach im Heckenhohlweg
Fleisch vermehrt, verbleibt das Blut,

das nie die Gasse abgeflossen,
ohne Pflug und Scholle

Pflicht und Schuldigkeit
zu tun.


2

wenn dann das Licht gelöscht,
weiß jeder seines Nachbarn Gut,

das in den Linnen Eingebrachte,
bloße Hände, weit und breit

sind fremde Katzen um den Sack
geschnurrt, fein säuberlich verschnürt,

so still, wer morgens
von der Stallwand hängt,

hat hier kein Porzellan mehr
zu zerschlagen


3

Judasohren in den Gärten, der Holunder
blüht zum Hahnenschrei,

gesprochen gilt nur das erteilte Wort,
wenn Großvater die Uhr umstellte,

sich versammelte zum Abendbrot
von Schrot und Korn, das warn ja selber

alles arme Schweine, kaum noch Zeit,
Kalender umzuwenden, Lamp herunter,

Sorg herauf, schon hat man überlebt
und was du davon weißt,

das kommt auf einem andren Blatt
zu stehen.


Tom Bresemann: arbeiten und wohnen im denkmal.
Gedichte. Cover-Illustration von Simone Kornappel.
Wiesbaden (luxbooks) 2014/15.  86 S. 19,80 Euro.

 
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