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Ted Hughes: Zauberei

Diskurs / Poetik > Glossen

Ted Hughes

Aus: Wie Dichtung entsteht (Kap. Tiere fangen)

Wenn die Wörter einfach so herausfließen, wie kann man dann je sicher sein, daß das Wort -Feder- mit einer seiner Nebenbedeutungen nicht ein paar Wörter weiter an dem Wort >Sirup< und einer seiner Nebenbedeutungen kleben bleibt? In schlechter Dichtung passiert genau das: die Wörter bringen einander um. Glücklicherweise mußt du dich darum nicht kümmern, wenn du nur eines tust: Du mußt dir das wirklich vorstellen, wovon du schreibst. Es sehen und es leben. Denke es dir nicht mühselig aus, als müßtest du dich im Kopfrechnen üben. Schau es nur an, berühre es, rieche es, höre ihm zu, verwandele dich in es. Wenn du das tust, kümmern sich die Worte schon um sich selbst, es ist wie Zauberei. Du brauchst dich dann nicht um Kommas oder Punkte oder solchen Kram zu scheren. Schau auch nicht auf die Wörter. Halte deine Augen, deine Ohren, deine Nase, deinen Geschmack, dein Gefühl, dein ganzes Sein auf das gerichtet, was du in Worte verwandelst. In dem Augenblick, in dem du zurückweichst, dein Denken von ihm abwendest und beginnst, auf die Wörter zu schauen und dich um sie zu sorgen, geht deine Besorgnis in sie ein, und sie fangen an, einander umzubringen. Also, bleib dabei und mach weiter, so lange du kannst, dann schau an, was du geschrieben hast.

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