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Sina Klein: Drei Gedichte aus "skaphander"

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Sina Klein

Drei Gedichte aus "skaphander"




skaphander (Auszug)

und minutiös durchkämmen wir die nacht,
die flammenzungen und den wind, das fremde
eigentum nach den geschichten, die
getrennt von uns / und doch wir selber sind.

es brennt sich ein: wir sind aus holz gemacht,
wenn wir da splittrig beieinander liegen,
wach und angekokelt von gedanken,

etwas abgekappt / wir hörten auf
bevor es angefangen hat, aus angst
vorm wittern. – letztens hab' ich dich ertappt

dabei, wie abgewandt du warst / inmitten
all der leute, weißt du, in den fetzen
des gesprächs / dein mund war irgendwie

gesteuert: er bewegte sich nervös
in jede richtung – jemand lachte auf
beim feuer, ja, ich dachte kurz du wärst

zu bruch gegangen.  




nomadisch

ich gebe nicht acht und träume mich doch
ins raue hinein, ins feste gewebe der nacht.
in diesen engen maschen musst du sein,

"dazwischen auf den kleinsten räumen, – ich habe dich
lachen gesehen, vor langem, beim schnee,
als die kamele schliefen darin.

ich rief deinen namen aus und verlief mich
da, wo ich stand / fand den ausgang nicht mehr
und laufe seitdem in mir selbst unaufhörlich

und seltsam verstrickt hin und her.




bande

wenn einer von uns beiden heute nacht
da draußen sich verliert, verliert
der andere sich mit ihm mit und schnürt
das gassenband ganz eng um seine hand

und lässt nicht los. von uns kann keiner
einfach so den anderen verlassen
heute nacht / ich halt' die straße fest,
ich passe auf / dass du nicht stolperst

und nach vorne fällst, am randstein
einer welt.


(Sina Klein: Drei Gedichte aus dem Zyklus "skaphander", 2017)

 
 
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