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Siegfried Kracauer: Reise und Tanz

Diskurs / Poetik > Glossen

Siegfried Kracauer

Die Reise und der Tanz
(Auszug, 1923)

Die zivilisierten Menschen, so sei behauptet, finden heute in Reise und Tanz den Ersatz für die Sphäre, die sich ihnen verweigert. Da sie eingebannt sind in das raumzeitliche Koordinaten-system und sich über die Formen der Anschauung nicht hinausspannen können zu der Anschauung der Formen, wird ihnen das Jenseitige nur durch die Veränderung ihrer Position in Raum und Zeit selber zuteil. Um sich ihrer Bürgerschaft in den zwei Welten zu versichern, müssen sie, die reduziert zu Raum-Zeit-Punkten sind, abwechselnd an dieser Stelle und an jener sich aufhalten, bald in dem einen Tempo, bald im andern sich bewegen. Reise und Tanz haben eine theologische Bedeutung erlangt, sie sind wesentliche Möglichkeiten der von der Mecha-nisierung umgriffenen Figuren, die Doppelexistenz uneigentlich zu leben, die Wirklichkeit gründet.


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