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Sascha Kokot: Drei Gedichte

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Sascha Kokot


Drei Gedichte



auch wenn die Frau längst fort ist                             
tönt noch immer das Abendprogramm
es hat sich viel zu laut eingebrannt
und rieselt durch die Decke auf uns herab
wo wir in uns nach dem Schlaf greifen
die Tage aus dem Fell streichen
können wir sie noch lange verfolgen
die Berichte, Studios und Mörder
bevor ihnen nach Mitternacht der Strom
gekappt wird und wir zurückbleiben
in unserer nächtlichen Unruhe die langsam
erwacht in aller Stille


---



das Bettzeug bleibt liegen
für ein paar Tage
als gefiederter Abdruck
meiner Bewegung in diesem
Streitfall zwei Meter über
dem Boden schwelt es weiter
wühlen die Kinder deins
und meins darin umher
spielen Burg oder Grotte
so dick gepolstert tut ihnen
nichts weh liegen sie nicht
wund auf diesem Schlachtfeld


---



die Kinder sind uns abhandengekommen
wir kennen ihre Namen nicht
es blieb keine Zeit sie auszuwählen einzustudieren
ihre Zimmer bleiben unbezogen
unsere Körper gehen darin brach
einander unsicher gegenüber
weisen sie uns immer weiter fort
sie scheinen die Routen verlässlich zu kennen
auch wenn wir kaum mehr wissen
was uns hier hält in den kalten Fluren



In Sascha Kokot: Ferner. Gedichte. Dresden (edition AZUR) 2017. 88 Seiten. 17,90 Euro.

 
 
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