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Ron Winkler: 3 Gedichte

Montags=Text




















Foto:
Christiane Wohlrab


Ron Winkler



Drei Gedichte

(aus dem Beitrag zum Lyrikpreis München 2015)





Pfad 22



Das Medium schämt sich. Ich werde von den Mücken
als angenehm empfunden. Habe am Morgen des vergangenen Heute
in der unbegrenzten Mohnblume getanzt. Wurde blond.
Ich war fast nicht fangbar. Auch die Mücken nicht.
Auch die Bauarbeiter haben Stethoskope, denn sogar die Nahwirkung
ist spukhaft. Kreuzten uns ihre Wege? Ich weiß nicht,
aber Schnee fiel heute nur auf einer Breite von 3,14 m, dafür quer
durch die Stadt. Die eventuell nur ein Gewerbegebiet ist
mit sehr viel Wohnraum. Das tut gut, ich habe einen Ruhepuls
von a-b-b-a. Und das alles unter der falsch verstandenen Sonne.




Pfad 27 | 33


Es gibt kein Halten mehr. Die Wolken
finden keinen Himmel. Das Cockpit ist verklebt
mit Schmetterlingen, innen, auch
ich bin Toter Admiral zu manchen Zeiten.
Im Charaktersimulator durchkalbte mich etwas
großes Glaziales, ich maß sofort,
ob wir die Berge sahen und wer die Fremden waren
in unserem Stream. Poesie vielleicht?
Deine Bauschkraft federt uns noch
immer ab. Schon die Kinder schreiben Sinfonien
für Bolzenschussgeräte. So übermannen sie den Fjord.
Obwohl Natur persönlich etwas anderes ist,
sind die Fleischereien überheizt. Wachsen die Bäume
über sich hinaus, holt man sie ab.
Das ist ein dunkles Öl für unsere Herzen.
In ihnen geht es stündlich besser.
Ich selbst fühle mich im Ganzen gar wie abgebildet
auf dem Hundertträumeschein. Sei stark
zu Hause, heul Treppen in die Heimat
und nimm den nächsten Papst zum Mars.



Pfad 31


Den Kondensstrahl konnte ich nicht halten. Wir alle trinken jetzt
direkt aus dem Orakel, oh denksächliches Sein!
Uns umschwirren tatselige Insekten. Die Wespen stechen nur
sich selbst. Das eilt sie aber nicht. Die Vögel können gut
auf Mendelssohn, sobald der Mond islamisch steht. Ich hab Flut dann
unter den Lidern, grünschwarz Moll. Die Zweitgeborenen stehen
in Kolkgewässern und wissen nicht mehr weiter. Es durchfließt sie
kalte Lymphe, obwohl die Sonne brennt. Das entspricht
nicht meinem Kulturell, nicht meinen Paragrafen. Doch ich schlafe gut,
und nackter jede Nacht und unbelegter. Laichballen in Händen
meinen wir die Herzschläge der Quappen spüren zu können.
Der Quappenschlag, gut aufbewahrt macht er die Feen
am Größten. Es kann kaum besser sein: subtropische Nächte, Früchte,
Lüste. Obwohl: Das absolute Meer hab ich verpasst.


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