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Roland Erb: Häuserlücke Humboldtstraße

Gedichte




HÄUSERLÜCKE HUMBOLDTSTRASSE

Worte,
vom Wind zerknüllt,
im Brodeln des Herbstes,
fauligem Holz abgelauscht
hinterm Schuppen
und blutigen Leinen-
fetzen im Schlamm,
der auf Marmorplatten erstarrt
und sie unsichtbar macht.
Silbengezischel, das du erhaschst,
wenn hetzenden Schritts zwei vorüber gehn,
laut sich zurufend, da
einer schwer hört
und der Wind jeden Schrei
jäh von den Mündern
der Straße reißt,
ihn beutelt, ihn quirlt
durch klaffende Hauslücken hier, auf den Hof,
wo einer steht
wie ich.
Mit dem baumelnden Aschen-
eimer
wartend auf etwas, das
anders spricht,
während
der Wind mir respektlos,
brüderlich rau
Zufallsgestammel um
frostige Schultern
schlägt.

Roland Erb: Trotz aller feindlichen Nachricht (Poetenladen), 2014

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