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Robert Duncan: Oft ist es mir erlaubt, zu einer Wiese zurückzukehren

Robert Duncan - Es ist Magie. Spontane Passagen
Foto: Allen Ginsberg
Robert Duncan

Oft ist es mir erlaubt, zu einer Wiese zurückzukehren

Aus dem amerikanischen Englisch von Rainer G. Schmidt


als wäre sie ein Schauplatz, vom Geist erschaffen,
der nicht meiner ist, doch ein geschaffner Ort,

der meiner ist, ist sie so nah dem Herzen,
ewige Weide, in alles Denken eingefaltet,
so daß ein Saal darin sich findet,

der ein geschaffner Ort ist, von Licht erschaffen,
von dem die Schatten fallen, welche Formen sind.

Von dem alle Bauten fallen, die ich bin,
die, wie ich sage, Ebenbilder des Ersten Geliebten sind;
als Flammen leuchten seine Blumen der Frau.

Sie ist Königin Unter Dem Hügel,
deren Scharen ein Tumult von Worten in Worten sind,
der ein gefaltetes Feld ist.

Es ist bloß ein Traum vom Gras, das ostwärts
geweht wird, gegen die Quelle der Sonne,
in einer Stunde, bevor die Sonne versinkt;

sein Geheimnis sehen wir, erzählt
in einem Kinderspiel namens Ringelreihen.

Oft ist es mir erlaubt, zu einer Wiese zurückzukehren,
als wäre sie gegebener Besitz des Geistes,
den bestimmte Grenzen dem Chaos entgegenhalten,

der ein Ort erster Erlaubnis ist,
ewiges Omen dessen, was ist.



(1960)

Das Gedicht bezieht sich zum einen auf das im Sohar genannte Feld Mechpelah, Ort, an dem Abraham und Sarah neben Adam und Eva bestattet werden; die Gruft der letzteren ist wegen der „Faltung“ des Feldes der Sichtbarkeit entzogen.
Zum anderen knüpft Duncan an einen immer wiederkehrenden Traum an, den er als Initiation in die Dichtung liest: als Junge nähert er sich einer Wiese, auf der Kinder im Kreis tanzen. Die Grashalme biegen sich in seine Richtung und zeigen an, daß er „erwählt“ ist. (A. d. Ü.)

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Mit freundlicher Genehmigung von Norbert Wehr übernommen aus dem Dossier
"Das  Eichmann-Feld - Robert Duncan. Gedichte (1960 - 1968)" im Schreibheft #73.
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