Renate Rasp: Drei Gedichte - Signaturen

Direkt zum Seiteninhalt

Hauptmenü

Renate Rasp: Drei Gedichte

Montags=Text
 
 
 
 
 
 
 
 
 


Renate Rasp


3 Gedichte




Hüte müssen den Namen wechseln  


Du weißt, wer Maria war.
Sie hatte die Hand am
lächelnden Feigenblatt.
Ein Mann war es. Ein Mann war es. Ein Mann war es.
Er konnte das Kind besser schützen.
Ohrring aber an Wange.
Wer ist er an Bart von
Jesus gewesen.
Petrus war er,
ein römischer Wind.
Ich habe den Orgelspieler gesehen,
der Petrus noch einmal einfangen wollte.
Mutter und Kind
an der Wegeinfahrt.
Er war aber nicht mehr
am blühenden Strauch,
und Morgenlicht fällt
ans Füßchen von Staub.
Sieh mal hin,
wer der Jesusknabe war.
Hatte er nicht den Schein von Augustus.
Ägypten aber der weiße Handschuh.
Römische Weise.

(Neue Rundschau, Heft 1, 2011)


(---)


Licht fällt auf Helligkeit  

Wer hat das Kaninchen
an die Hand einer Frau gelegt ?
Brennender Baum war es
um den sich
Menschen gesammelt hatten.
Opfertisch war der Baum
für Kind.
Tanit rauschte über die Namen.
Laute in Karthago war
das lebendige Weihnachtsfest.
Weihnachtsmann am Lockenkopf.
Mehr nicht schreiben über ihn.
Rauch am Baum hatte weiße Füße.
Kaninchen mußte das Kind
an sein Fell führen.
Waren es nicht metallene Wächter,
die Rauch an See bringen sollten.
Kaninchen aber jetzt über der Wage.
Kinderwagen war es.
Kopf wird gesehen
und Haare über den Beinen.
Gast am nächsten Tag etwas älter.
Sah nicht die Mutter

II

ihr Kind schon
als jüngere Frau.
Abschied nehmen
von einer Familie
die nicht gelebt hatte.
Himmel wölbte sich weiterhin
über karthagischer See.

(Unveröffentlicht, aus derselben Zeit)

(---)


Es geht doch noch einmal anders

Laufe nicht hinter dem Eichhörnchen her.
Es hat doch
den Sternenrhythmus.
Fünf Sterne haben es
im lächelnden Fenster.
Über der Gartenwand
liegt Bein
von Montag auf
anderen Bändern.
Hüpfen – und wieder
den Atem ans Messer
von Erde legen.
Die Hauswand leuchtet,
und Weltall greift.
Muntere Hand
hat Eichhörnchen eingefaßt.
Stern blüht im Nachthimmel.
Eichhörnchen aber die
schönste Blüte
an Nachmittagshellem.
Jetzt pflanze ich einmal ein Eichhörnchen,
und morgen ist es am Tagslauf
einer Glocke.
Wer wagte es, die hundertjährige

Bachmantelstimmung
ins Eichhörnchen zu arbeiten.
Ratte wäre doch sonst im täglichen.
man wollte nicht
der Ratte den Ast abgeben.
Fuchs hatte den
Schellenklang an Weg gelegt.
Klein mußt Du bleiben,
sonst wirst Du abgeführt.
Lattenzaun – Striegel.
Du weißt nicht, wie sie reden.
Mit dem Schwanz in der Feldeinstellung.
Füße – klingandeis
Winter kämpft noch einmal
und Südwind – Laub an Keuchen.
man hat die Nachtigall eingeladen
um Kreise zu halten.
Mehr Munterkeit an der Wunderblüte.

(Neue Rundschau, Heft 1, 2011)

---

Mit freundlicher Genehmigung von Michael Lentz,
der dem Wiederabdruck zustimmt, und Michael Braun.

 
 
Zurück zum Seiteninhalt | Zurück zum Hauptmenü