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Orsolya Kalász: Himmel und Erde

Gedichte


Orsolya Kalász



HIMMEL UND ERDE


Schau mich an
und sag,
du bist mein Wappentier,
mein pferdeköpfiger Greif,
mein Tiger-Biber,
mein Fisch-Huhn,
meine Adler-Ziege.


Am Morgen Meerjungfrau,
Am Mittag Basilisk
Am Abend ein roter Krebs
mit dem Hinterteil eines goldenen Löwen.


Wenn ich dich sehe,
sehe ich
oben einen Bären und
unten einen Hecht,
vorne ein rotbewehrtes Einhorn,
hinten einen Esel,
oben links und unten rechts
begleitet von je einem Stern
in wechselnden Farben.


Etwas, was mit keiner mir bekannten Tat
in Verbindung gebracht werden kann,
sehe ich,
einen rot-silbern geteilten
Schwanenrumpf in Gold,
auf Meereswogen
eine gekrönte Melusine.

Das war ich erst vorige Woche,
sage ich dann.


Größer als wir denken können,
immer noch in Silber,
zwei eiserne Pfähle,
die ins Blaue schießen.
Warum nur?


All das sei nur eine läppische Pose im Hinterkopf?


Die Raubtiere in Mäntelchen,
machen eine gute Figur,
sage ich,
unsere Organe lassen sich
vieles antrainieren,
schneller als du denken kannst,
sage ich,
ist etwas verschlungen,
etwas umschlungen und wieder
geteilt durch den Flammenschnitt.


Ein ungezähmter Blick genügt,
und im heraldischen Zirkus
unter der Haut
bricht Himmel und Erde auf.


In: Orsolya Kalász: Das Eine. Gedichte. Berlin (Brueterich Press) 2016.

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