Mikael Vogel: Drei Gedichte - Signaturen

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Mikael Vogel: Drei Gedichte

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Mikael Vogel


Drei Gedichte
über ausgestorbene Vögel auf Hawai'i


 
 

Der Hawaiʻi-ʻŌʻō

Scheu, hoch in
Lehuabäumen schwer zu beobachten
Bis die für Kaffeeplantagen zu verschwinden begannen..
Mit seinen honiggelben Achselfederbüscheln
Wollten auch Menschen sich aufplustern: Erst Prinzen und Könige Hawaiʻis, dann
Nach James Cooks dritter Südseereise
Europäer – erst Vogelleim, dann Musketen. Zu Tausenden die Häute
In die immer begierigeren Museen verschifft.
Im eigenen Fett gebraten galt er als
Oh-oh! schnitt sein Ruf, sein Name die Luft –
Delikatesse. Er hatte immer näher geklungen als er tatsächlich gewesen war.
Der letzte Hawaiʻi-ʻŌʻō wurde am 13. Mai 1902 gefangen; 1934
Soll an einem Abhang des Vulkans Mauna Loa noch einmal sein
Gesang gehört worden sein, geschwärztes
Tattoo


 
 

Der Kākāwahie

Sein Ruf ein Splittern
Wie Holzhacken irgendwo in der Ferne
Sein Name hawaiʻianisch: Brennholz kleinmachen..
Als scharlachrotes Feuerbällchen auf Molokaʻi von Koa- zu
Koa-Akazie brennend nach Insekten, Rinden nach ihnen durchstöbernd.
Wißbegierig, vor menschlichen Eindringlingen ohne
Angst, von ihren Schritten durchs Unterholz angezogen: Entdeckt als
Der britische Ornithologe Scott Barchard Wilson sich in hochgelegenem Moorwald
Im Nebel verirrte. Am 10. Juni 1893 Beobachtung wie
Ein junger männlicher Kākāwahie von seinen Eltern gefüttert wurde.
1907 ausgestorben geglaubt, 1961 wiederent-
Deckt, dann ausgestorben – letzte Sichtung 1963 auf einem Hochplateau
Mehrere vergebliche Suchexpeditionen


 
 

Der ʻAlalā

Mit der Sonne auf-
Steigen, machte morgens großen Lärm.. auch schreien
Wie ein junges Tier, manche seiner Rufe ähnelten dem Miauen einer Katze.
War den Hawaiʻianern heiliger Vogel, Schutzgeist, geleitete die
Seelen der Toten ins Jenseits die sich ohne ihn zu verirren drohten
Für immer in einer Dämmerung von Gespenstern und Motten dahinzutreiben in der es
Nichts als Grashüpfer zu essen gab.
Erst in Schwärmen auf allen Inseln Hawaiʻis, dann
Hoch in die Nebelwälder auf Mauna Loa und Hualālai zurückgedrängt
Von Menschen und ihren eingeschleppten Plagen:
Rindern, Wildschweinen, Ziegen, den schützenden Unterwuchs zerstörend
Mangusten, Ratten, Moskitos mit ihrer Vogelmalaria, den Vogelpocken
Vor deren Stichen er nur weit oben in der Kühle an den Vulkangipfeln sicher war.
Die letzten beiden wilden ʻAlalā sind 2002 verschwunden; überlebt nur
In Gefangenschaft

 
 
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