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Mario Osterland: In Paris

Rezensionen



Dirk Uwe Hansen

„Genießen ... bei einer Portion Kitsch“


Paris, ein Sehnsuchtsort, ein Fest fürs Leben, gewiss, und ja: ganz Paris träumt von der Liebe... Elf Prosaminiaturen aus dieser assoziativ so hoch aufgeladenen Stadt sammelt der jüngst in der verdienstvollen parasitenpresse erschienene Band von Mario Osterland. Momentaufnahmen zwischen Ankunft und Abreise von der Gare du Nord, eine Städtereise also, unternommen von einem Pärchen (das ein Paar wird – möchte man unwillkürlich hinzufügen). Und tatsächlich wäre es sicher auch eine angemessene Darreichungsform für diese Texte, sie an elf aufeinanderfolgenden Tage als Postkarten gesandt zu bekommen. Nicht allerdings auf der Rückseite, sondern lieber an Stelle der bunten Bilder auf der Vorderseite. Denn Osterland führt uns in der Tat Bilder vor Augen, teilweise ungewöhnliche, schwärmerische, schöne allemal. Gare du Nord, Eiffelturm, Butte Montmartre, Musée Rodin, Louvre, Place des Abbesses, Cimetière du Montmartre, Café Bruant und nach so viel Montmartre ein Ausflug nach Clamart, selbst ein selfie ist dabei; manche dieser Bilder vermeiden den in Paris allerorten lauernden Kitsch nicht ganz – wie das des an der Hüfte zusammengewachsenen Paares, in dessen Hotelzimmer es „stürmt ... wie auf dem Eiffelturm“ – bisweilen konterkarieren sie ihn desillusioniert – beim Besuch des Louvre etwa („um vom LOUVRE alles zu sehen verweist man uns auf den Museumsshop“).


Häufig jedoch entgeht Osterland der Touristenfalle: „doch oben werden wir enttäuscht von einem Panorama ohne Eiffelturm“ – und führt uns die kollektiven Sehnsuchtsorte in einem eigenen Licht vor Augen:

„auf einer Bank an der PLACE DES ABBESSES sitzen dicke Großmütter wie Tauben die auf ein paar Brotkrumen aus sind. wie jeden anderen der auftaucht aus der Métro inspizieren sie auch mich ganz genau. ob sie wohl aufspringen und davon flattern wenn ich in die Hände klatsche.“

Es gibt noch einige „Bilder [die] im Kopf bleiben“ und dort fröhlich neue und alte Parisassoziationen zusammenführen, mehr in diesem Band, mein liebstes stammt aus dem Café Bruant:


„im CAFÉ BRUANT kämpft die Russin mit dem Hasenbein um eine Mahlzeit. le lapin n´est plus agile. mit Messer und Gabel ist sie dennoch im Nachteil. ohne Pelz weiß sie mit dem Tier nichts anzufangen und knabbert verlegen rote Beete. ich warte auf Nachschlag und proste der Runde am Tresen zu. Lucien! Les touristes aiment votre café, non?“



Mario Osterland: In Paris. Prosagedichte. Köln (parasitenpresse. paradosis # 09) 2014. 14 Seiten. 6,00 Euro.

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