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Mario Osterland: fossile Gewässer

Gedichte



fossile Gewässer

O dark dark dark. They all go into the dark.
     …
I said to my soul, be still, and let the dark come
    upon you
Which shall be the darkness of God.
    – T.S. Eliot



I
wir folgten den Worten der Dichter
zogen uns zurück in ein uraltes Meer
das wir fanden tief unter dem Land

und unberührt lag seit der Schmelze
von der wir Jahrhunderte später noch einmal
versprachen uns rein zu waschen


II
so tauchten wir unter den Massiven hinweg
stiegen herab zu den Ahnen, die zu Klump
gefroren dahintrieben, je nach Strömung

ihre geschliffenen Profile zeigten
so unähnlich mit der Zeit, fast fossil
und zu bloßen Zeichen vergletschert


III
was an unseren eisigen Händen zog
führte uns bis auf den Grund
wo eingelassen in Stein

leicht verwitterte Verse erklärten
the houses are all gone under the sea
die Götter fielen mit ihren Tempeln


IV
hier hatten wir nichts zu erwarten
außer Büsten mit leerem Gesicht
denen wir schnell zu ähnlich wurden

diese Milchglasaugen sie sahen
poetisch aus doch schieden
nur das Dunkel vom Nichts


V
also konnten wir nicht ewig liegen
in besungener Anbetungslake
in diesen Gewässern aus Frost

wir ließen die Alten treiben
stiegen zum Ufer und schüttelten uns
mit versteinerter Blickrichtung Wald


(Mario Osterland: unveröffentlicht, 2015)

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