Lyrik im Caveau - Signaturen

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Lyrik im Caveau

Veranstaltungen / antimon




Armin Steigenbergers lyrische Weltschau im Caveau am 16. Mai 2014



Im Atelier des Künstlers Konstantin Rüchardt, in der Tengstraße 25, stellte der nicht nur in der Münchner Lyrikszene allseits Bekannte Armin Steigenberger (Literaturzeitschrift außer.dem; p.l.o.t. e.V.; poesie[magazin] Radio Lora) seinen neuen Gedichtband „die fortsetzung des glücks mit anderen mitteln“ (Horlemann Verlag – Edition Voss – Reihe Lyrikpapyri) vor.

Jürgen Bulla hielt eine prägnante Einleitung, in der die gesellschafts- und medienkritischen Aspekte der Gedichte betont wurden. Im folgenden ersten Teil des Abends las Steigenberger vierzehn Texte aus seinem Band. Besonders hervorzuheben ist das Gedicht „ich gestehe den weltfrieden“, in dem der Wortspieler all seine Register zieht:


 

ich gestehe den weltfrieden
in gelbgeblümten wahlwerbespots und
den chefunterhandel schnellen glücks,
gestehe freien willen und feiere
freiere welten und ihre unfassbaren nebel.

ich gestehe den schönsten tag seit vielen jahren,
eine langsame sünde wider den eiligen geist.

(…)

 

















Armin Steigenberger


In den „freieren welten“ klingt der Glaube an den „freien willen“ an. Doch ein Wille, der sich nach seiner Freiheit sehnt, ist auf Nichts gerichtet: Er ist illusorisch, er verhallt im Nichts. Zugleich läßt der assoziative Anklang des Freiers an Prostitution denken, an verkaufte Ideale. Der Wille prostituiert sich, er stellt sich bloß. Diese Ambiguität führt den Begriff der Willensfreiheit ad absurdum. Und so verführt uns Steigenberger mit spielerischer Leichtigkeit zu (sprach)philosophischer Tiefe. Zwar ist Steigenberger ein schneller Vorleser, doch den Gedichten merkt man ihren wohldurchdachten Entstehungsprozeß an, eben auch „wider den eiligen geist“. Wo er in seinen Gedichten persönlich wird, seinen Erfahrungsraum mitschwingen läßt, wirkt Steigenberger am stärksten.

Nach der Pause, die durch die Präsentation von Gastgeber und Maler Konstantin Rüchardts Werkzyklus „Another man’s house“ als kurz empfunden wurde, las Steigenberger aus Gedichten verschiedener LyrikerInnen, die ihm dereinst selbst den Zugang zur Welt der Lyrik eröffnet hatten. So gab es im englischen Original Auszüge aus Allen Ginsbergs „Howl“ und „America“ sowie William Shakespeares „Sonnet 66“. Von Friedrich Hölderlin einen Auszug aus „Friedensfeier“ und „Die Liebenden“. Durch Marion Poschmanns „Wolkenode“ sei Steigenberger (so er selbst) zum Versmaß gekommen. Weitere Gedichte von Unica Zürn, Albert Ostermaier, Ulrike Draesner, Kurt Drawert, Ingeborg Bachmann und Ulf Stolterfoht folgten. Anders als sonst üblich bei „Lyrik im Caveau“ gab Armin Steigenberger mit dieser Gestaltung der zweiten Abendhälfte einen bereichernden Einblick in seine Genese als Dichter. Der Exkurs läßt Steigenbergers eigene Arbeiten in einem größeren Zusammenhang noch klarer verorten. Ein gelungener Abend.

Wolfgang Berends


 
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