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LIX - Neue Lesereihe im HochX

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LIX - Neue Lesereihe im HochX


Am 21. Mai 2019 findet in München die erste Ausgabe der neuen unabhängigen Lesereihe LIX – Literatur im HochX statt. Es lesen bei dieser Premiere Slata Roschal und Vladimir Kholodkov, beide aus München, sowie Mehdi Moradpour aus Berlin.

Wir haben dazu mit Raphaela Bardutzky, einer der drei Kuratorinnen und Moderatorinnen, gesprochen:


Liebe Raphaela, du gehörst zum Organisationsteam von LIX – was kannst du über deine beiden Mitstreiterinnen sagen. Auch warum ihr drei seid.
Meine Mitkuratorinnen sind Rebecca Faber und Christina Madenach, beides zwei sehr engagierte Literaturwissenschaftlerinnen.
Da wir eine Lesereihe sind, die ganz unterschiedliche Gattungen zusammenbringen möchte, ist es gut, dass die beiden sich im Lyrik- und Prosabereich hervorragend auskennen, wo ich viel weniger Überblick habe. In unserem Team bin ich ja die Theaterexpertin.

Raphaela Bardutzky
Rebecca Faber
Christina Madenach

Ihr seid aus der von Ayna Steigerwald betreuten Lesereihe liaison hochX hervorgegangen, die sehr erfolgreich war. Doch nun ist Ayna nach Hamburg gezogen und überlässt euch das Feld. Was wollt ihr anders machen? Was wird sich ändern?
Im großen und ganzen übernehmen wir erstmal Aynas Konzept, wie Du selbst sagst, war es ja sehr erfolgreich. Das heißt, wir präsentieren pro Abend weiterhin zwei Münchner Autor*innen  und laden zudem einen auswärtigen Gast ein. Anders als bei der Liaison wird es bei uns aber immer auch noch kleine Gespräche zwischen Moderation und Autor*in geben.

Wollt ihr jedesmal Vertreter*innen der drei Sparten einladen? Und wer wählt sie aus? Macht ihr das gemeinsam, oder ist die jeweilige „Ressortleiterin“ prima inter pares?
Ja, wenn möglich, möchten wir, dass die Sparten pro Abend möglichst divers sind, gerne auch innerhalb der präsentierten Texte. Grundsätzlich interessieren wir uns auch sehr für gattungsübergreifenden Arbeiten.
Bei der Auswahl diskutieren wir natürlich gemeinsam, wen wir einladen möchten, zeigen uns Texte von Autor*innen, die wir interessant finden, und überlegen zusammen, welche Mischung funktionieren könnte. Das ist der schönste Teil an der Lesereihenorganisationsarbeit, da kommt viel Vorfreude auf!

Du erwähntest in unserem Vorgespräch, dass ihr auch nach den Lesungen am Abend die Vortragenden in Gespräche verwickeln wollt – soll auch das Publikum mitreden können? Soll eine Annäherung der drei Gattungen dadurch ermöglicht werden?
Für mich ist das gerade das Tolle am HochX Foyer, dass dieser Ort mit seiner schönen Bar und dem guten Wein immer noch zum gemeinsamen Verweilen einlädt. Das konnte man auch nach den Liaison-Lesungen jedes Mal bemerken, dass die Menschen nach der Veranstaltung miteinander ins Gespräch gekommen sind. Da gab es dann häufig noch einen Austausch zwischen Autor*innen und Publikum, der dank des Raums einfach ganz zwanglos zustande kommen kann.

Du bist ja als freie Dramaturgin und mit deinem Lehrauftrag für szenisches Schreiben für die Abteilung Theater vorgesehen. Als erster wird (am 21. Mai) Mehdi Moradpour anwesend sein. Wird er aus seinen Stücken vortragen – wie bei einer Textprobe? Oder wird er auch erzählen, referieren? Wie ist das überhaupt gedacht? Kannst du dir auch szenische Lesungen vorstellen, oder Performances, kleine Aufführungen, bzw. Proben usf.
Mehdi wird einfach aus seinem Text vorlesen. Da dieser aber ein paar chorische Passagen enthält, die Mehdi auch chorisch vorgetragen haben möchte, haben wir ein paar Mitleser engagiert.
Ansonsten finde ich es aber gerade richtig, Theatertext in Lesungen wie Literatur zu präsentieren und nicht immer gleich mit einer szenischen Lesung / Inszenierung zu beginnen. Das wird ja heute oft vergessen, dass Theatertext nicht nur Theater, sondern auch Literatur ist.

Noch etwas: In der Pressemitteilung heißt es: LIX präsentiert pro Abend drei Autor*innen: zwei Münchner Lokalmatador*innen und einen Gast von Welt. Der Gast von Welt soll immer männlich sein? Immer aus einer anderen Stadt kommen? Oder kann er/sie auch in München einen Namen haben?
Gast ist meines Wissens ein geschlechtsneutrales Wort. Die Gästin darf aber selbstverständlich auch in München bekannt sein.

Wen wollt ihr einladen? Entdeckungen, jung, alt? Gibt es inhaltliche Präferenzen? Nehmen wir mal an, alles wäre möglich, ganz ohne Begrenzungen, wie sähe eure Wunschliste aus?
Unser Wunschzettel liegt natürlich in einem Tresor und wird streng geheim gehalten.
Darauf stehen vor allem Autor*innen mit einem eigenen Ton, die auch mal gewohntes Erzählterrain verlassen. Bei LIX darf es gerne avantgardistisch, experimentell und politisch sein, egal wie jung, mittelalt oder alt ein*e Autor*in ist.

LIX ist wohl auch die Abkürzung für den Lesbarkeitsindex – und eine römische Zahl (59). Bei drei Abenden pro Jahr wird dann wohl bis 2039 mit euch zu rechnen sein. Ich wünsche also alles Gute und viel Erfolg!  
Allerbesten Dank!


Raphaela Bardutzky studierte Dramaturgie, Neuere Deutsche Literaturwissen-schaft und Philosophie an der LMU München und der Bayerischen Theater-akademie. Seit 2012 arbeitet sie als freie Theater-dramaturgin und Autorin sowie als Drehbuchlektorin im Art-House-Filmbereich. Gemeinsam mit Theresa Seraphin gründete sie 2016 das „Netzwerk der Münchner Theatertexter*innen“ - eine Diskussionsplattform zur Textproduktion im zeit-genössischen Theater.
Raphaela Bardutzkys Theaterstück WÜSTLING wurde 2017 mit dem Literaturstipendium der Stadt München ausgezeichnet. Im Sommer 2018 war sie Dramaturgin einer szenische Version des Mozart-Requiem am Nationaltheater Mannheim (Regie: Clara Hinterberger). Sie gehört außerdem zum Leitungsteam der Theaterserie MÜNCHNER SCHICHTEN, welche zwischen November 18 und Februar 19 an unterschiedlichen Münchner Orten zu sehen war.
Rebecca Faber
studierte Komparatistik, Anglistik, Germanistik und Erziehungswissenschaften an der LMU München und der University of Warwick in England. Seit ihrem Abschluss 2017 promoviert sie im Fach englische Literaturwissen-schaft an der LMU und ist dort als wissenschaftliche Mitarbeiterin eingestellt. Zeitgleich mit ihrem Studiumsbeginn 2009 wurde sie Mitglied der Schreibwerk-statt Komparatistik, einer Gruppe für junge Autor* innen, die sie von Oktober 2013 bis September 2014 und wieder seit April 2017 leitet. Als Leiterin veranstaltet und organisiert sie Lesungen im Rationaltheater in München. Ehrenamtlich engagiert sie sich bei wepsert.de, einem feministischen Münchner Onlinemagazin, das unter anderem weibliche und queere Künstler*innen sichtbar machen und fördern will.
Christina Madenach
arbeitet seit 2016 als Projektkoordinatorin und Pressereferentin bei STADTKULTUR Netzwerk Bayerischer Städte e.V. Nach ihrem Magisterabschluss in Germanistik an der LMU München (2012) lebte sie in Paris, Rom und Ho Chi Minh Stadt und arbeitete als Lehrerin für Deutsch als Fremdsprache. Zwischen 2014 und 2016 war sie zunächst Programmmitarbeiterin, dann Pressesprecherin des internationalen literatur-festivals berlin. Sie schreibt zurzeit an ihrem Romandebüt und hat eine Romanwerkstatt in München gegründet.
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