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Lena Mareen Bruns: Clara Rilke-Westhoff Zyklus, VIII

Gedichte

Lena Mareen Bruns


ach clara! und gleichzeitig pardon für das ach, clara
da bist du über berlin und capri nach neapel gelangt
und der wind steht plötzlich günstig
und du folgst einer einladung auf ein schiff
und die see lächelt und so gehst du in ägypten an land
ach clara, von den ochsen schreibst du
die das brunnenrad krachend um seine schwerfällige achse ziehen
und du ziehst den nil herauf nach heluan, mit schwalben
als segel, die erinnerungen fallen aus deinen händen
in den fluss, der sie schon träge packt, wäscht
wie du schreibst so ist man hier anderen gesetzen unterstellt
weil man kamele sieht, auf denen manche reiten
wie auf schwimmenden schildkröten
unter schwalbensegeln wachen uralte erinnerungen auf -
und rilke mahnt noch per brief alles fliegend zu skizzieren! -
und ein vierteljahr verstreicht in heluan
aus gips stellst du vielerlei her
ein porträt der mäzenin, eine gazellengruppe
die du monat um monat modellierst -
und wie deprimierend, als ein gipser deine form vergießt
und so das werk nicht ein einziges mal vor dir steht
deshalb liebe, stürmische clara, muss ich an dieser stelle
ach sagen, ach clara


Lena Mareen Bruns: Clara Rilke-Westhoff Zyklus, VIII
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