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Kyra Stromberg / John Lehmann: Edith Sitwell

Essay / Memo / Notizbuch > Memo


Kyra Stromberg / John Lehmann


Dame Edith Sitwell

(1887 - 1964)



Da kommt sie - ein "großer vom Wind gezauster Vogel", gut ein Meter achtzig groß, überschlank, in fließenden Samt, bauschende Brokate oder sanfte, dunkle Wolle gehüllt, nicht à la mode gewandet, sondern nach ihrem eigenen Kopf - diesem Kopf eines exotischen Raubvogels mit dem "Schnabel einer Harpyie" und der hohen Stirn über den tiefliegenden, kühl-melancholischen Plantagenet-Augen, die gekrönt wird von phantastischem Federschmuck, die langen Hände mit den silbern oder perlmutten gelackten Fingernägeln und die schmalen Handgelenke beschwert von riesigen Ringen und Reifen ... Es ist Edith Sitwell, Dame of the British Empire in höherem Alter, die große englische Lyrikerin, Essayistin und Exzentrikerin, den Malern und Fotografen ihrer Epoche eine Augenweide, den konventionellen Zeitgenossen ein Dorn im Fleisch, allem Neuen in der Kunst eine wortgewaltige Fürsprecherin - "... eine der drei oder vier bedeutenden Dichterstimmen in einem Zeitalter tragischer Umwälzung und sozialer Einebnung in der ganzen Welt", wird John Lehmann, der Verleger-Freund ihrer späten Jahre nach ihrem Tode, 1964, schreiben.


(Edith Sitwell: Englische Exzentriker. Wagenbach 1995)


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