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Juana Adcock: Wasserhaut/Hautwasser/Wasserhaut

´Barrio latino








Foto: Wieńczysław Dębiński
Juana Adcock

aus dem mexikanischen Spanisch von Rike Bolte
in alba.lateinamerika lesen #11


Wasserhaut/Hautwasser/Wasserhaut

[Wasserhaut]
Die Linien schneiden sich und bilden auf der Flussoberfläche ungestalte Diamanten
wie die Linien im rissigen Boden der Wüste, oder in deinen Armen.

[Hautwasser]
Je trockener die Haut, umso deutlicher die Linien,
umso mehr Textur entsteht. Je älter, umso mehr sind wir Text,
umso mehr wir selbst.

Das ist schön. Ich erkläre dir,
dass du unmöglich deine Schönheit
begreifen kannst.

Das erkläre ich dir und dein Gesicht wird plötzlich weich,
so wie eine Blase voll Wasser zerbirst.
Eine Gefühlskaskade lässt sich fallen,
und ein Lächeln steigt auf, das kreiseln lässt.

Etwas in den Flanken deines Munds geht entzwei,
so wie eine Wasserkaskade sich zweiteilt,
wenn sie sich wie Vorhänge um den Felsen legt,
und es scheint, als habe das Wort „Schönheit“
etwas fortgewaschen, um nur die Essenz zurückzulassen.
 

[Wasserhaut]
Regenbögen aus der S-Bahn verfolgend
mache ich für dich ein Foto von der Abenddämmerung, das aber völlig verschwommen ist,
außer dem kitschigen Einhorn-Aufkleber meines Handys,
der sich im Fenster spiegelt.
Mein Weg ohne Umweg, wie ein Planet auf seiner Umlaufbahn,
der Lauf von acht Flüssen mitsamt allen Bahnen, so werde ich  
nähergerückt.
***

AGUAPIEL/PIELAGUA/AGUAPIEL

           [Aguapiel]
Las líneas se entrecruzan haciendo diamantes deformes en la superficie del río
como las líneas en la tierra cuarteada del desierto, o en tus brazos.

           [Pielagua]
Entre más reseca la piel, más claras las líneas,
más textura se hace. Entre más viejos más texto somos,
más nosotros.

Esto es bello. Te digo
que no hay manera de que puedas entender
tu belleza.

Te digo esto y tu rostro se suaviza de pronto
como una burbuja llena de agua se revienta.
Se deja caer una cascada de emoción
y se alza una sonrisa que hace girar.

Algo se parte en los flancos de tu boca
como se parte una cascada de agua
haciendo cortinas alrededor de la piedra
y es como si la palabra “belleza” hubiera lavado algo
dejando sólo la esencia.

           [Aguapiel]
Persiguiendo arcoiris en el S-Bahn
tomo una foto del atardecer para mandártela pero me sale todo borrado
menos la cursi calcomanía de unicornio de mi teléfono
reflejada en la ventana.
Mi trayectoria sin alterar, como planeta en órbita,
el curso de ocho ríos y todos los Bahns me van llevando
más cerca.

Juana Adcock (1982, Monterrey, Mexiko) ist Lyrikerin und Übersetzerin und lebt seit 2007 in Schottland. Ihre Gedichte und Übersetzungen erscheinen in Anthologien und Zeitschriften, darunter Magma Poetry, Glasgow Review of Books und Words Without Borders. Ihr erster Gedichtband Manca wurde 2014 von dem Literaturkritiker Sergio González Rodríguez (Reforma) zum besten Gedichtband des Jahres erklärt. 2016 wurde sie im Programm „Ten New Voices from Europe“ (Literature Across Frontiers) gefördert.
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