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Jorgos Kartakis: Drei Gedichte

Montags=Text


Jorgos Kartakis


Drei Gedichte



Pseudepigraphon


Auch wenn Dikaiopolis Flügel wuchsen,
es war doch sein Schicksal in der Aegaeis zu versinken.
Gepökelt neben den uralten Wracks
und den toten Kindern
lacht er mir zu
aus der Tiefe der Geschichte,
die ich mir gerade ausdenke, um euch zu erzählen,
dass die verheißungsvollen Namen
hinabrollen in den Abgrund,
und dass ihre Sage sowenig existiert
wie die hier, die ich gerade erfinde.

(---)


Schokoladenode


Das, was ich dir hier bringe,
— dieses Fundstück aus der Tiefe —,
ist keine Perle,
und hat doch die Reinheit des Augapfels,
das smaragdene Grün des Meeres
und es ist salzig.

Wertvoll,
denn das bin ich,
wie eine Glasperle an einer Schnur
um den Hals getragen.

Ich lache
mit Lippen, die einmal schon weinten.
Ich harre aus
mit Gliedern, die einmal schon rannten:
ein kleiner Pygmäe.

Ich wusste immer
dass du Schlokolade magst,
meine Liebste.

(---)



Rückkehr


Zurückgekehrt aus der Stille
fand ich niemanden,
wusste nicht, wozu
dieses Feuer da war:
die Wärme oder die Einäscherung
— und doch schmilzt die Asche in die Erde
und löst sich auf in den Wellen —
ich fand niemanden an den leuchtenden Fenstern
die mich anzogen mit magnetischer Kraft, um hineinzusehen,
einsame eisige Fläche
vollkommen weiß
wie der Empfangsraum in einem Krematorium:
Die Räume tragen ihre offizielle Uniform,
um den Zusammenbruch zu verbergen,
damit das Beben gedämpft wird,
und warten;
ich werde meine Tage verbringen
wartend auf den Wind —
ich bin damit einverstanden.
Hörst du die Stille?
Ein leichter Körper
bis das Licht ihn auslöscht
und das Schweigen.
Alles, was man hier tut,
dient der Seele ...

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