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Joanna Fuhrman: Hör auf das, was du nicht hören kannst

Werkstatt / Reihen

Joanna Fuhrman
Listen to What You Can Not Hear

übersetzt aus dem amerikanischen Englisch von
Cornelia Hülmbauer und Timo Brandt


Listen to What You Can Not Hear

At six a.m., the planet craters inward
like a teenage girl, half-afraid
of a full-length mirror, and the trees
stop shaking for a millisecond,
the clams and mussels open
their shells to the passing clouds
as if to say hi, how are you and mean it.     

Is this why the security guards
at the museum hide themselves under
the sculptures so it's difficult to tell
what's art and what's human,
what's cow-spotted mountain and
what's mountain-spotted cow?
Perhaps this is why all the babies
are throwing their mashed-up carrots
in the air, why the social worker claims
she'd rather be a pre-sliced mango than a flag.

Hör auf das, was du nicht hören kannst

Um sechs Uhr früh verkratert der Planet nach innen
wie eine Teenagerin, die sich ängstigt teils
vor einem Ganzkörperspiegel, und die Bäume
hören auf zu schwanken für eine Millisekunde,
die Venusmuscheln und die Miesmuscheln öffnen
ihre Schalen hin zu den vorbeiziehenden Wolken
als wollten sie sagen Hallo, wie geht’s, ganz im Ernst.

Ist das der Grund, warum die Sicherheitsleute
im Museum sich verstecken unter
den Skulpturen, damit es schwerer ist zu sagen,
was Kunst ist und was Mensch,
was kuhgefleckter Berg und
was berggescheckte Kuh?
Vielleicht ist das der Grund, weshalb alle Babys
ihren Karottenbrei hochwerfen,
warum die Sozialarbeiterin behauptet,
sie wäre lieber eine vorgeschnittene Mango als eine Flagge.

Joanna Fuhrman mit Vita im SurVision Magazine, Issue 1

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