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Friedrich Hölderlin: Drei Gedichte

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Friedrich Hölderlin

Drei Gedichte



DIOTIMA

Komm und besänftige mir, die du einst Elemente versöhntest,

Wonne der himmlischen Muse, das Chaos der Zeit,

Ordne den tobenden Kampf mit Friedenstönen des Himmels,

Bis in der sterblichen Brust sich das Entzweite vereint,

Bis der Menschen alte Natur, die ruhige, große,

Aus der gärenden Zeit mächtig und heiter sich hebt.

Kehr' in die dürftigen Herzen des Volks, lebendige Schönheit!

Kehr' an den gastlichen Tisch, kehr in die Tempel zurück!

Denn Diotima lebt, wie die zarten Blüten im Winter,

Reich an eigenem Geist, sucht sie die Sonne doch auch.

Aber die Sonne des Geists, die schönere Welt, ist  hinunter

Und in frostiger Nacht zanken Orkane sich nur.

(1796 - 8)


DAS NÄCHSTE BESTE

                                       ------
--- offen die Fenster des Himmels
Und freigelassen der Nachtgeist
Der himmelstürmende, der hat unser Land
Beschwätzet, mit Sprachen viel, unbändigen, und
Den Schutt gewälzet
Bis diese Stunde.
Doch kommt das, was ich will,
Wenn
Drum wie die Staaren
Mit Freudengeschrei, wenn auf Gasgogne, Orten, wo viel Gärten sind,
Wenn im Olivenland, und
In liebenswürdiger Fremde,
Springbrunnen an grasbewachsnen Wegen
Die Bäum unwissend in der Wüste
Die Sonne sticht,
Und das Herz der Erde tuet
Sich auf, wo um
Den Hügel von Eichen
Aus brennendem Lande
Die Ströme und wo
Des Sonntags unter Tänzen
Gastfreundlich die Schwellen sind,
An blüthenbekränzten Straßen, stillegehend.
Sie spüren nämlich die Heimat,
Wenn grad'           aus falbem Stein,
Die Wasser silbern rieseln
Und heilig Grün sich zeigt
Auf feuchter Wiese der Charente,
Die klugen Sinne pflegend.           Wenn aber
Die Luft sich bahnt,
Und ihnen machet wacker
Scharfwehend die Augen der Nordost, fliegen sie auf,
Und Eck' um Ecke
Das Liebere gewahrend
Denn immer halten die sich genau an das Nächste,
Sehn sie die heiligen Wälder und die Flamme, blühendduftend
Des Wachstums und die Wolken des Gesanges fern und athmen Odem
Der Gesänge. Menschlich ist
Das Erkentnis. Aber die Himmlischen
Auch haben solches mit sich, und des Morgens beobachten
Die Stunden und des Abends die Vögel. Himmlischen auch
Gehöret also solches. Wohlan nun. Sonst in Zeiten
Des Geheimnisses hätt' ich, als von Natur, gesagt,
Sie kommen, in Deutschland. Jezt aber, weil, wie die See
Die Erd' ist und die Länder, Männern gleich, die nicht
Vorüber gehen können, einander, untereinander
Sich schelten fast, so sag ich. Abendlich wohlgeschmiedet
Vom Oberlande biegt sich das Gebirg, wo auf hoher Wiese die Wälder sind wohl an
Der bairischen Ebne. Nämlich Gebirg'
Geht weit und strecket, hinter Amberg sich und
Fränkischen Hügeln. Berühmt ist dieses. Umsonst nicht hat
Seitwärts gebogen Einer von Bergen der Jugend
Das Gebirg', und gerichtet das Gebirg'
Heimatlich. Wildnis nämlich sind ihm die Alpen und
Das Gebirg', das teilet die Tale und die Länge lang
Geht über die Erd'. Dort aber

Gehn mags nun. Fast, unrein, hatt' sehn lassen und das Eingeweid'
Der Erde.                              Bei Ilion aber
War auch das Licht der Adler. Aber in der Mitte
Der Himmel der Gesänge. Neben aber
Am Ufer zornige Greise, der Entscheidung nämlich, die alle
Drei unser sind.

(Nach1800)




VOM ABGRUND NÄMLICH ...

Vom Abgrund nämlich haben
Wir angefangen und gegangen
Dem Leuen gleich, in Zweifel und Ärgernis,
Denn sinnlicher sind Menschen
In dem Brand
Der Wüste
Lichttrunken und der Thiergeist ruhet
Mit ihnen. Bald aber wird, wie ein Hund, umgehn
In der Hitze meine Stimme auf den Gassen der Gärten
In denen wohnen Menschen
In Frankreich.
Der Schöpfer.
Frankfurt aber, nach der Gestalt, die
Abdruck ist der Natur zu reden
Des Menschen nämlich, ist der Nabel
Dieser Erde, diese Zeit auch
Ist Zeit, und deutschen Schmelzes.
Ein wilder Hügel aber stehet über dem Abhang
Meiner Gärten. Kirschenbäume. Scharfer Odem aber wehet
Um die Löcher des Felses. Allda bin ich
Alles miteinander. Wunderbar
Aber über Quellen beuget schlank
Ein Nußbaum und                     sich. Beere, wie Korall
Hängen an dem Strauche über Röhren von Holz,
Aus denen
Ursprünglich aus Korn, nun aber zu gestehen, befestigter Gesang von Blumen als
Neue Bildung aus der Stadt, wo
Bis zu Schmerzen aber der Nase steigt
Zitronengeruch auf und das Öl, aus der Provence, und es haben diese
Dankbarkeit mir die Gasgognischen Lande
Gegeben. Gezähmet aber, noch zu sehen,und genährt hat mich
Die Rappierlust und des Festtags gebraten Fleisch
Der Tisch und braune Trauben, braune
                                                           und mich leset o
Ihr Blüten von Deutschland, o mein Herz wird
Untrügbarer Kristall an dem
Das Licht sich prüfet wenn                     Deutschland

(Nach 1800)

 
 
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