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Franz Dodel: Textpassage aus "Nicht bei Trost"

Gedichte



wie auch immer solange
sich mir eine der
wippenden Blattspitzen zeigt
solange will ich
auf jenen Bordun hören
der als Halteton
alles begleitet und zwar
auch wenn es still ist
unheimlich still vielleicht kurz
bevor ein Finger
sich krümmt oder eine Hand
zupackt und der Leib
unbegreiflicherweise
einem Gedanken
Folge leistet der aufblitzt
und wieder erlischt
bevor irgend eine Art
von Bewusstsein ihn
vor sich hingestellt hätte
dieses Nach-Denken
geschieht erst später wenn wir
die Hände ruhig
auf den Tisch legen zerkratzt
oder makellos
ja nachdem wie man vorgeht
beim Töten junger
überzähliger Katzen*
dieser Ton also
scheint sich nicht zu verändern
was auch immer sich
über ihm auftürmt Cluster
aus gemeißelten
tonlosen Schreien Seufzer
lustvoll sich biegend
wie Baumkronen im Sturm stets
hält sich derselbe
Ton in der Nähe von dem
was sich als Farbe
beizumischen versucht dann
wieder schrumpft der Klang
zerteilt sich in einzelne
Töne die auf das
Trommelfell prasseln hart wie
Kiesel der Nachhall
dahinter: bleich und entsteint


(Franz Dodel: Nicht bei Trost. Sequenzen Z 26164 - 26208. Unveröffentlicht, 2014)

*Vgl. dazu das Gedicht Obwohl wir beide Bier lieben bestellt mein Liebster beim Ausgehen immer Bier und ich einen Pelikovec von Stanka Hrastelj. In: dies., Anatomie im Zimmer. Aus dem Slowenischen von Daniela Kocmut, Wien 2013.


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