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Fernando Pessoa: Desde o princípio baço do dia quente e falso

Texte


Desde o princípio baço do dia quente e falso


Vom trüben Beginn des heißen und unechten Tages an kreisten dunkle Wolken mit kaum zerfetzten Umrissen die bedrückte Stadt ein. In der Richtung, die wir Barra nennen, türmten sich diese Wolken stetig und drohend auf und mit ihnen verbreitete sich eine Tragödienvorwegnahme vom unbestimmten Groll der Straßen gegen die veränderte Sonne.

Es war Mittag, und schon beim Gang zum Essen lastete eine böse Erwartung auf der erbleichten Atmosphäre. Zerfetzte Wolkenfetzen lagen schwarz in ihrer Vorhut. Der Himmel, in der Richtung der Burg, war klar, doch von einem bösen Blau. Die Sonne schien, doch mochte man sich ihrer nicht erfreuen.

Um halb zwei nachmittags, als man wieder zurück im Büro war, schien der Himmel klarer zu sein, doch nur zu einer Alt-, zur Hafenseite hin, wo er tatsächlich freier war. Doch über dem nördlichen Teil der Stadt verbanden sich die Wolken langsam zu einer einzigen Wolke – schwarz, unerbittlich, langsam vorrückend mit stumpfen weißgrauen Klauen am Ende schwarzer Arme. In kurzem würde sie die Sonne erreichen, und die Geräusche der Stadt schienen sich mit dem Sie-Erwarten zu bedecken. Der Himmel war, oder schien, gegen Osten ein wenig klarer, doch die Hitze verursachte größeres Mißbehagen. Man schwitzte im Schatten des großen Büroraumes. »Gleich gibts ein großes Gewitter«, sagte Moreira, und wandte die Seite des Rechnungsbuches um.

Schon um drei Uhr nachmittags hatte die Sonne jede Handlung eingestellt. Man mußte – und das war traurig, denn es war Sommer – das elektrische Licht anschalten –, zuerst im hinteren Teil des großen Raumes, wo man die Warensendungen verpackte, dann auch in der Mitte des Raumes, wo es schon schwierig geworden war, die Begleitscheine auszustellen und auf ihnen die Nummern der Eisenbahnkontrollmarken zu vermerken. Schließlich, es war schon fast vier Uhr, sahen sogar wir – die Bevorzugten an den Fenstern – nicht mehr ausreichend, um zu arbeiten. Das Büro war erleuchtet. Prinzipal Vasques schlug den Windschutz seines Kabinetts hinter sich zu und sagte, beim Herauskommen: »Oh, Moreira, ich müßte nach Benfica fahren, doch ich fahre nicht; gleich wird es in Strömen regnen.« »Von dort kommt es«, antwortete Moreira, der in der Nähe der Avenida wohnte. Die Geräusche der Straße hoben sich plötzlich scharf voneinander ab, veränderten sich ein wenig, und, ich weiß nicht warum, das Klingeln der Elektrischen auf der nahen Parallelstraße war ein wenig traurig.

übersetzt von Werner Wanitschek


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