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Edna St. Vincent Millay: To Inez Milholland

Werkstatt / Reihen

To Inez Milholland
Read in Washington, November eighteenth, 1923, at the unveiling
of a statue of three ladies in the cause of Equal Rights for Women

Upon this marble bust that is not I
Lay the round, formal wreath that is not fame;
But in the forum of my silent cry
Root ye the living tree whose sap is flame.
I, that was proud and valiant, am no more;––
Save as a dream that wanders wide and late,
Save as a wind that rattles the stout door,
Troubling the ashes in the sheltered grate.
The stone will perish;  I shall be twice dust.
Only my standard on the taken hill
Can cheat the mildew and the red-brown rust
and make immortal my adventurous will.
Even now the silk is tugging at the staff:
Take up the song;  forget the epitaph.


Für/An Inez Milholland
Gelesen in Washington am 18ten November 1923 bei der Enthüllung
einer Statue für drei Damen im Prozeß um Gleiche Rechte für Frauen

Auf diesen Marmor hier––er ist nicht ich––
legt einen Kranz und drechselt Epigramme;
doch dort, wo ich nun schweige, öffentlich,
pflanzt einen Baum, der lebt, der uns entflamme!
Ich, die den Mund aufmachte, bin nicht mehr––
es sei denn Traum, der eintrifft, wenn auch spät,
es sei denn Wind, der Aschen wirbelt, der
an Türen rüttelt, weil die Welt sich dreht.
Der Stein verwest, ich werde zwiefach Staub.
Nur meine Fahne flattert, nur sie kann
mein Testament bewahren, mich dem Raub
des Rosts entreißen ;  darauf kommt es an.
Die Seide zerrt bereits am Fahnenmast:
Vernehmt ihr Lied, vergeßt, was ich verfaßt.

Übersetzt von Günter Plessow, Stand 27.12.2016
 
 
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