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Dominic Angeloch

Gedichte




Mneme

Oder ist es so wie wenn wir manchmal
aufschrecken aus dampfenden Betten,
vielleicht ein fremdes Geräusch, unsicher,
ob noch diesseits dieses bis zur Unsicht-

barkeit transparenten Traums, und alles
zusammenweht zu einem schaukelnden
Schatten, einem Mobile aus klammen Echos,
etwas, das körperlos über uns schwebend

hart an unseren Namen kreuzt. Dann
ein Husten hinter den Wänden, ganz
deutlich, ein verschlucktes Schluchzen,
nein, ein verhaltenes Seufzen –

oder sind es die Möbel, die da ächzen,
das Singen der Leitungen, das Vorsich-
hinarbeiten der Materialien? Auch damit
kennen wir uns nicht mehr aus, sind wir

denn bedrängt oder ist das nur die ganze
Wahrheit. Rasch versuchen wir, uns zu
evakuieren, ins Traumlose zu verlöschen,
während draußen die letzten der Verspäteten

unter viel zu schnell ziehenden Wolken
und einem unfertigen Mond auf Straßen,
die der Wind wiegt, nach Hause hasten,
haarrißgeäderte Bilder, bereit zu bersten.  


Dominic Angeloch in R. Bolte / U. Prinz (Hrsg.): [Transversalia]. Horizontes con versos. Horizonte in verkehrten Versen. Berlin: Verlagshaus J. Frank, 2011, S. 166f.


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