David G. Cooper: >Questions de méthode< (Auszug) - Signaturen

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David G. Cooper: >Questions de méthode< (Auszug)

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David G. Cooper


>Questions de méthode<, 1


(In: David G. Cooper, Ronald D. Laing: Vernunft und Gewalt, 1964 / 1973)


(Auszug)


Philosophie als solche existiert nicht. Sie ist nichts anderes als eine hypostasierte Abstraktion. Es gibt nur Philosophien oder, besser gesagt, eine einzige lebendige Philosophie zu einer bestimmten Zeit. Eine solche einzige lebendige Philosophie verleiht der allgemeinen Bewegung der Gesellschaft Ausdruck, und insofern sie lebt, dient sie als kulturelles Medium für die Menschen dieser Zeit. Sie stellt sich gleichzeitig durch sehr unterschiedliche Aspekte dar, die sie selbst vereinigt. Allem voran ist sie eine bestimmte Möglichkeit für die aufsteigende Klasse, sich ihrer bewußt zu werden. In der frühesten Phase des Kapitalismus erkannte sich die Bourgeoisie der Kaufleute, Juristen und Bankiers flüchtig im Cartesianismus, während ein Jahrhundert später, in den primitiven Anfängen der Industrialisierung, sich die Bourgeoisie der Fabrikbesitzer, Ingenieure und Gelehrten in der Kantischen Vorstellung vom universalen Menschen entdeckte.
Doch um wirklich philosophisch zu sein, muß dieser Spiegel die Totalisierung aller zeitgenössischen Erkenntnis bilden. Sind die Details auch in Frage gestellt und zerstört worden, so bleiben doch die Leitbilder zurück; diese freilich bedürfen der Fakten, um sie zusammenzuhalten, so wie Fakten ihrer bedürfen. Das philosophische Objekt verbleibt im "objektiven Geist" als regulative Idee, die eine unendliche Aufgabe markiert. Während sie weiterhin lebendig ist, ist sie jedoch niemals diese passiv determinierte Einheit. Aus der gesellschaftlichen Bewegung geboren, ist sie selbst Bewegung und arbeitet sich in die Zukunft voran.

 


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