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Cornelia Schmerle: Drei Gedichte

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Cornelia Schmerle


Drei Gedichte





ich sinke in den trost einer stimme, vertreibe mir
die ganzheit, die ich maßgeblich fand; der ich federkleid knüpfte.
den stück des weges geh ich noch ungesättigt,
den baum der zäumung find ich noch unangekündigt und
lichtverhältnisse streuend. die attrappe leg ich dir
in deine lust, stern auszuwerfen und see zu zünden. ein panorama:
wir rösten, was zwischen den tagen liegt, richten
schlaf an und schlaf. die nacktheit eines kiellosen kleides.


(---)



Aus den Karten trauriger Spieler

Die Straßen waren dunkel, ihre Nacht, zäh,
zeigte Verständnis für das Licht auf meiner Stirn,
mit dem ich Wege zu dir hin ausleuchtete.
Der Schnee fiel nervös, lieh sich Haken:
mein monologer Kopf irritierte. Die Nässe
rieb sich nicht ab, stellte zur Schau, dass jedes gute Tier,
der Liebe zur Poesie wegen, zaumlos kam.

Deine Gegenden umtrieb ich, ein Vagabund,
und wie ein solcher, verlangte es mich nach nichts,
das du an Eigenem zu Boden fallen ließt.
Nonchalante Krumen, die aufzulesen,
eine Hand gebraucht hätten, leer und leer und leer.
Mein Winter saß eng im Kleid. Diese Schale
hungerte keiner Spitzfindigkeit entgegen.

Eine Liebesgebärde im wiegenden Schritt,
zur Musik, die nicht wählte, nicht zum Tanz aufforderte.
Die wir auszählten unterm Code der Gültigkeit;
die uns schlafen ließ auf einem Steg, der nichts band,
noch eine Reise versprach; Reißerisches
für Jetzt und Hier, und Weiter –
an den blinden Fleck verwies: Afrika. Nein. Lissabon.


(---)



Im Lavant Haus

Spinnbeinig kriecht mir der Herbst aufs Gesicht,
spricht die Krähe mir aus der Hand und in meine Jahre,
sind Betrachtungen Scherenschnitt auf Polaroid.

Ich schlafe in den frühen Morgenstunden erst
mit an den Koerper gezogenen Knien, bis der Schorf
auf meinen Lippen gram wird, Laub ist, fällt und
blüht im fremden Winkel, der Beuge meines Raums.

Aufgelesen und verloren wieder, bleibe ich klein,
bleibe ich schmal, bleib ich in tiefer Furche des Kastanienbaums,
der keinen Schritt tut, keine Wurzel vom Hof
nach sich zieht; der den Hahn unter seinem Schatten fasst.

An den Abenden backe ich ein Brot und schreib ich Namen,
richte ein Kuvert und überlasse es dem Fuchs,
der nach Mitternacht ans Haus schleicht; seine Traurigkeit
legt mir Federn ins Kissen: ein Kuss, der sich schwer atmen lässt.

Am Morgen ist das Bett blutrot, meine Haut fahler als Mond,
und die Heimkehr eine Schale voll grüner Kastanien nach dem Wort.

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