Camelia Iuliana Radu: Drei Gedichte - Signaturen

Direkt zum Seiteninhalt

Hauptmenü

Camelia Iuliana Radu: Drei Gedichte

Montags=Text
 
 
 
 
 
 
 
 


Camelia Iuliana Radu

Drei Gedichte


übersetzt von Emilia Ajule



man hätte sagen können, wir waren lebendig
man hätte sagen können, von innen waren wir tot
das ist eine geschichte mit konkreten figuren
die man nicht gesehen hat, die man nicht gehört hat
von uns wusste man nichts genaues



generalisierung

frau general isa eilte nicht
langsam
mit sorgfalt
glättete sie bettlaken

sie warf alles unnötige weg
sie mochte einfaches essen
sie mochte nudeln
weil, siehst du
man schmeißt eine beliebige soße darüber
und fertig ist die mahlzeit
ich spare viel zeit
sagte sie

und die zeit wird fast kurz
wenn man sie betrachtet
scheint sie ein fließband, auf der die küken
sich durch die schlachterei bewegen



das auge ohne kopf

du sollst keine dummheiten mehr machen, während ich auf der arbeit bin
hörst du? In dieser steckdose ist ein auge, das alles sieht was du tust

ich steckte den schraubenzieher in die steckdose, was meine mutter dazu brachte
zu erstarren, elektrisiert vor angst
verzweifelt war sie sowieso
als sie hörte was und wie viel ich spreche

ich frage mich schon seit der kindheit, wie kann ein auge ohne kopf sehen?

meine mutter hatte einen kopf und sah nichts
von den wichtigen dingen
meine Augen
zum Beispiel
aber sie war so schön,
dass ich es glaubte


Aus dem Gedichtband Jucăm Lenin, veröffentlicht 2016 vom Paralela 45 Verlag.

Zu den Originalen »

 
 
Zurück zum Seiteninhalt | Zurück zum Hauptmenü