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Bülent Kacan: Pforten der Ungewissheit

Zeitzünder


Bülent Kacan


Pforten der Ungewissheit



Es gibt Augenblicke im Leben, da steht der Mensch vor Ereignissen, die sich wie hohe eiserne Pforten vor ihm auftürmen. Es sind dies Pforten, die ihn unweigerlich einschüchtern, ja, ihn beinahe zu Tode erschrecken. Schließlich kann der Mensch nicht wissen, wann sich die hohen Pforten öffnen werden und das unheilvolle Geschehen darin seinen Lauf nehmen wird. Die Unwissenheit hierrüber, die beinahe so ungeheuerlich ist wie das unheilvolle Geschehen selbst, das - und dieser Umstand allein treibt dem Menschen die Schamesröte ins Gesicht, schließlich ist er dem Geschehen seiner Zeit auf Gedeih und Verderb ausgeliefert - im Übrigen jederzeit bevorsteht, wird noch durch die Furcht überboten, von den mächtigen Pforten, noch bevor das Geschehen darin die Ereignisschwelle überschritten hat, jederzeit erfasst und erschlagen zu werden, sollten sich diese tatsächlich einmal unverrichteter Dinge öffnen. Die Ungewissheit des Menschen aber, diese außerordentlich scheue und schreckhafte Zwillingsschwester der selbstverliebten Unwissenheit, ist das unheilvolle Geschehen selbst. Es ist ein sich ständig ereignendes Ereignis, eine himmelhohe, sperrangelweit geöffnete Pforte, durch die unaufhaltsam das Unheil schreitet und das Unglück auf Erden unentwegt geschieht.



© Bülent Kacan (Aus den Aufzeichnungen Ich oder Auf dem Heimweg von mir zu mir selbst, 2016)


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