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Àxel Sanjosé: Siebzehn Haiku

Gedichte der Woche
Foto: Ulrich Schäfer-Newiger
Àxel Sanjosé


Siebzehn Haiku


Diesig erwacht hier
und ohne Halt das Wetter,
wir Ungestorbnen,
so tief reißt unser
Wissen Wunden, Wahnsinne.

Wer sprach soeben
oder ehedem:
das Gezwitscher der Vöglein
meint jeden Morgen,
zage Gabe Welt,
ich nähme dich gerne so,
so vorgestaltet,
erste Herbstsonne,
der vorbeifahrende Zug
ist nicht zu sehen.
Nicht zu erinnern.

Wird alles einst verfallen,
glänzt es jetzt doch arg:
Dieses Gartentor
ist immerzu verschlossen,
liegt aber am Weg
und nicht zu leugnen,
einig schwarz nisten Krähen
im helldunklen Park.
Das Blatt, die Wolken,
der Herbst ist bald vorüber.
Die Wolken, das Blatt.

Wenig bleibt.
                       Wenig
von uns, von den Versuchen,
Berührungen fast.   
Das Fenster fliegt zu.
Alles wird statisch. Schwindel.
Vages Gedenken.

Dieses Blatt Papier
ist kaum beschrieben worden,
kam ein später Gast?

Die Pfützen glänzen
morgens so rot wie abends,
ein Kind springt hinein,
neugierig verlässt
die junge Katze das Haus
(und kehrt nicht zurück),
der Verkehr staut sich
vor der defekten Ampel,
alte Route West,
Hupen, Sirenen,
der Abend streut die Lichter
auf die wehe Stadt.

Die Tiefebene
wird im Schwarz bald verschwinden.
Einkehrt Ruhe

In Àxel Sanjosé: Anaptyxis. Gedichte. Rimbaud Verlag Aachen 2013. 49 Seiten. 12,00 Euro.
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