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Àngeles Mora: Eine andere, eine sentimentale Bildung

´Barrio latino
Foto: abc
Ángeles Mora
Aus dem Spanischen von Geraldine Gutiérrez-Wienken
und Martina Weber

Eine andere, eine sentimentale Bildung

                                                                     My way

Die Einsamkeit in dieser Musik, traurig,
wie gestern und Langeweile im Haus:
das jüdische Kind, das umherziehende Mädchen,
geboren in Spanien, Granada,
blutbeflecktes Land,
– Granada ist da, wo ich hingehe –
Fang
vier schmale Sonnenstrahlen
und mach daraus eine Frau.
Was heute meinen Durst stillte:
der Hohlraum im Brot, das Öl, das Salz, das Elend
des Grillenzirpens und der jaulenden Hunde bei Morgengrauen
oder die die Zeiten am Tisch nach dem Essen, beim Häkeln im Schatten
(im Radio liefen dann die Geschichten
von Guillermo Sautier…).
Heute denke ich mit einer Art erschöpften Traurigkeit
– entschuldigen Sie, wenn es wie eine Ausrede klingt –
an das Brutalste von allem:
Was machen wir mit den langsamen, langen Manifestationen
des Winters, wenn mein Heimweh nach Spanien
und nach dem, was einige unsere Kindheit nannten,
nur eine Wunde war–mitsamt ihrem Wundbrand

Otra educación sentimental

                                                    My way

Triste, qué soledad con esta música
como de ayer y tedio por la casa:
el niño judío, la niña errante,
que he nacido en España de donde soy.
Granada
tierra ensangrentada
—Granada hacia donde voy—.
Coger
cuatro rayitos de sol
y hacer
con ellos una mujer.
Todo lo que aquel día empapaba la sed:
hueco de pan y aceite y sal y la miseria
con grillos y con perros gimiendo en madrugada
o allá en las sobremesas de sombra y de perlé
(luego venían las radionovelas
de Guillermo Sautier…)
Hoy pienso acaso una tristeza opaca
—perdonad que me excuse—
brutal como ninguna;
¿Qué hacer con esa lenta, larguísima evidencia
de invierno, cuando apenas
mis suspiros de España
fueron más que una herida —y su gangrena—
en los que luego algunos llamaron nuestra infancia?

In Ángeles Mora, Spiegel der Spione | Espejo de los espías. Aus dem Spanischen von Geraldine Gutiérrez-Wienken und Martina Weber. Illustration: Josefina Wolf, www.josefinawolf.com. Satz und Design: Eddy Rafael Reinoso. hochroth Heidelberg 2019 / ISBN: 978-3-903182-29-5

Ángeles Mora, geb. 1952 in Rute, Spanien, lebt seit 1980 in Granada. Sie studierte Hispanistik an der Universidad de Granada. 1982 erschien ihr erster Lyrikband Pensando que el camino iba derecho. Es folgten: La canción del olvido (1985), La guerra de los treinta años (1989, Rafael Alberti Poetry Prize), La dama errante (1990), Caligrafía de ayer (2000), Contradicciones, pájaros (2001), Bajo la alfombra (2008), Canciones inaudibles (2018, mit zwei CD’s und einem Vorwort von Olalla Castro). 2016 erhielt sie den spanischen »Premio de la Crítica« für ihren Lyrikband Ficciones para una autobiografía (2015). Die Gedichte auf den Seiten 3 bis 25 der vorliegenden Publikation stammen aus diesem Buch. Im Jahr 2017 wurde Ángeles Mora mit dem bedeutenden spanischen »Premio Nacional de Poesía« ausgezeichnet.
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