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Andrea Heuser: (Einmal noch Vögel)

Gedichte




EINMAL NOCH Vögel
von Zugvögeln träumen
von Wolkengeschwindigkeit
davon, zielstrebig flüchtig zu werden
Beweis sein eines einzigartigen federleichten
Verschwindens

Kontur geben
dem blinzelnden Moment
all jenen, die ohne jede Erwartung
aufzublicken gewohnt sind
die Himmelsstarre lösen & Herzschläge später
die Starre wieder fixieren: wir zogen fort

Viele sein. Flügel & Leiber, Wind
in den Windschatten gleiten, ganz beiläufig
auf Autopilot schalten
wenn weit unten
ein Hund heult, Gänse sich scharren
um altes Gebein, Steine einstürzen all dies

Was nicht aufhören will zu haften
hinter sich lassen, die Brutgebiete
Schwerkraft der Herkunft
und die dazugehörige zähe Wiederkehr
trüber Aussichten, Verhaltenslehren der
Kälte

Fort,
Lichtjäger sein, Formationsprofis
fliegen, in Höhen-
in Sturzflügen, fortwährend fliegend krallen sich paaren Nahrung
erhaschen im Flug und weiter, weiterfliegen im Zwielicht, im Schlaf
im Schlaf, dort: dieser eine

Der da wohnt am Ende der Welt
der Vogel, der alles verschönt
Er, wispert der Traum
tut sein Leben lang nichts anderes: Nester
baut er. Üppig, umhegend wie Liebeslauben
Bodennester, die hundertfach ihn überragen
aus Blättern, Zweigen, die er färbt im Mundsaft der Beeren
aus Federn, Steinen, den Kleinheiten
den Verworfenen, die ihm, auffindend, Glanz sind
Er, flüstert der Schlaf, erklärt mich als nicht vorhanden
seine Schöpfung verzehrt ihn, lässt, maßlos ihn den Himmel
nicht kennen, der
hoch oben
sich räkelt, verhüllt, und
manchmal
rötet: bin

bin
bin!

Dann beginnt er zu warten
auf die eine, die mögliche Braut
zu pfeifen, zu tanzen, flattern, zu zeigen
all dies, so flüstert’s
schlafwärts den Jägern, dem Wind
meistens vergeblich


Andrea Heuser: unveröffentlicht, 2014.

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