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Albert Camus: Der Künstler und seine Zeit, 3

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Albert Camus

Der Künstler und seine Zeit, 3

(Auszug aus seinem Vortrag am 14. Dezember 1957 in der Aula der Universität Uppsala, vier Tage nach der Nobelpreisentgegennahme in Stockholm)


Meine Schlußfolgerung ist einfach. Inmitten des Gedröhns und des Aufruhrs unserer Geschichte sage ich ganz schlicht; "Freuen wir uns." Freuen wir uns in der Tat, dem Untergang eines verlogenen und bequemen Europa beigewohnt zu haben und uns grausamen Wahrheiten gegenübergestellt zu sehen. Freuen wir uns in unserer Eigenschaft als Menschen, da ein lange dauernder Betrug zusammengebrochen ist und wir in dem, was uns bedroht, klar sehen. Und freuen wir uns in unserer Eigenschaft als Künstler, die dem Schlaf und der Taubheit entrissen wurden und mit Gewalt dem Elend, den Kerkern, dem Blut ins Auge blicken müssen. Wenn wir angesichts dieses Schauspiels die Erinnerung an die Tage und die Gesichter zu bewahren verstehen, wenn wir umgekehrt angesichts der Schönheit der Welt die Erniedrigten nicht vergessen, dann wird die abendländische Kunst nach und nach ihre Kraft und ihre königliche Würde wiederfinden. Gewiß gibt es in der Geschichte wenig Beispiele von Künstlern, die sich mit so schweren Problemen auseinandersetzen mußten. Aber gerade wenn selbst die einfachsten Worte und Sätze mit Freiheit und Blut bezahlt werden, lernt der Künstler, sie maßvoll zu gebrauchen. Die Gefahr macht klassisch, und schließlich wurzelt jede Größe in der Gefahr.
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