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Adalber Salas Hernández: X (Sonettesk und redundant)

Werkstatt / Reihen
Credit Fotos v.l.n.r.
Selfie,  Paule Anne,
Michael Wienken

Adalber Salas Hernández
Aus dem venezolanischen Spanisch von Geraldine Gutiérrez und
Marcus Roloff

X
(Sonatesco y ripioso)

El presidente está triste,
¿qué tendrá el presidente?       
¿Será que las transnacionales ya no lo quieren,
o lo quieren demasiado, con el ahínco mineral
de excavadoras, de taladros, de extractoras?

El presidente ha perdido la risa, ha perdido el color.
¿Está desconcertado porque los puntos
se escaparon de las íes? ¿Porque los períodos
son demasiado cortos? ¿Porque todo pasa
y todo queda, pero lo nuestro es pasar?

¡Pobre presidente preso de sus oros negros!
¿Algún ministro le habrá revelado por error
que una bandera no sirve para contradecir la lluvia, para
ahuyentar los perros del frío?
¿Por fin habrá descubierto que país es el nombre de una huida?

¿Será que le desafina el pulso, que tiene arritmia
el himno patrio?
¿Habrá subido de peso? Tal vez el uniforme militar
ya no le queda como antes.
¿La corbata le aprieta, la charretera le da calor?

¡Pobre presidente protoplásmico, preso de sus predios,
proclive a la procacidad, a la prodigiosa
perífrasis sin pudicia, a la prevaricación,
preguntándose si será pasteurizado,
postulado como prohombre prehumano!

Nadie sabe por qué está triste el presidente.
El gabinete está confundido, el ejército desbandado.
¿Será que no duerme por culpa de los disparos, del gas
lacrimógeno, de los gritos que hacen de paredes
en las cárceles?

¿Le quitan el sueño las sirenas
que cortan en pedazos la noche?
¿Le aterra el insomnio porque es como estar muerto,
porque los muertos tampoco saben cerrar los ojos?
(¿Duerme usted, señor presidente?)


X
(Sonettesk und redundant)

Der Präsident ist traurig,
was hat er denn? Kann es sein,
dass er das transnationale Geschacher nicht mehr will
oder es zu sehr will im Mineralöl-Eifer
der Bagger, Bohrlöcher und Extraktoren?

Der Präsident hat sein Lachen verloren,
hat seine Farbe verloren. Ist er konfus,
weil das i-Tüpfelchen fehlt? Wegen der
allzu kurzen Amtszeit? Weil alles vorübergeht
und alles dableibt, wir aber vergehen müssen?

Armer Präsident, Gefangener seines schwarzen Golds!
Hat ihm irgendein Minister aus Versehen verraten, dass
eine Flagge nicht dazu taugt, dem Regen zu widersprechen
und die Hundekälte zu vertreiben?
Wird endlich offenbar, welcher Staat den Namen Flucht trägt?

Kann es sein, dass sein Puls dissonant ist, dass die Staatshymne
Herzrhythmusstörungen hat?
Ist er etwa fett geworden? Möglich, dass er nicht mehr wie früher
in die Armeeuniform passt.
Spannt die Krawatte? Steht die Hitze unterm Schulterstück?

Armer Protoplasma-Präsident, Gefangener seiner Grundstücke,
zu Frechheiten neigend, zur märchenhaft
schamlosen Schönfärberei und zu Amtsmissbrauch,
er fragt sich, ob er pasteurisiert werden soll –
Postulat eines prähumanen Promis!

Keiner weiß, warum der Präsident so traurig ist.
Das Kabinett ist verunsichert, die Armee hat sich aufgelöst.
Kann es sein, dass er nicht mehr schläft wegen der Schüsse,
dem Tränengas und dem Geschrei,
das die Knastwände machen?

Raubt ihm das Martinshorn,
das die Nacht in Stücke schneidet, den Schlaf?
Hat er vorm Wachsein einen Horror, weil es wie Totsein ist,
da auch die Toten ihre Augen nicht zu schließen vermögen?
(Schlafen Sie, Herr Präsident?)
Adalber Salas Hernández, geboren 1987 in Caracas. Lyriker, Essayist und Übersetzer. Studium der Literatur und Philosophie. Redaktionsmitglied der Revista Poesía, Universidad de Carabobo. Aktuell promoviert er an der Fakultät für Spanisch und Portugiesisch an der New York University. Gedichtbände: La arena, el vidrios (Equinoccio, 2008), Extranjero (Bid & co. editor, 2010); Suturas (Bid & co. editor, 2012); Heredar la tierra (Común Presencia, 2013);  Salvoconducto (XXXVI Premio de Poesía Arcipreste de Hita, Pre-textos, 2015); Río en blanco (Sudaquia, 2016); mínimos (Amargord Ediciones, 2016).
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