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Adalber Salas Hernández: VIII (Ohne viel Drama geht der Geist ...)

Werkstatt / Reihen
Credit Fotos v.l.n.r.
Selfie,  Paule Anne,
Michael Wienken

Adalber Salas Hernández
Aus dem venezolanischen Spanisch von Geraldine Gutiérrez und
Marcus Roloff

VIII

Sin mucho drama, el fantasma de mi padre
camina a la luz del día. Cada mañana se afeita,
se ducha y sale a trotar (quiere para sí una
muerte saludable).

Nos vemos a menudo. Habla poco, lentamente,
porque tiene piedras en la voz. Se dedica a mirar
a su alrededor, a especular, a contar los
años como si el tiempo fuera una manzana
mordida. No sabe cuantas veces ha muerto, ni en
qué poemas o cuáles esquinas. No sabe
cuántos padres ha sido.

Viste su carne intacta con desenvoltura,
sin prisas, seguro de que su ataúd no será
una copla. Tiene bien escondidos sus huesos,
para que se los robe algún santo.

El fantasma de mi padre no es un buen fantasma:
Sabe que ningún tiempo pasado fue mejor.
Insiste en comer y beber, cumple con los ritos
de la respiración y el sueño, se toma el pulso
con regularidad para medir la velocidad de las
plantas al crecer. No aparece por las noches
llamándome Hamlet, pidiéndome que vengue su muerte.

El fantasma de mi padre olvidó hace años el rostro
de su padre, e incluso ha logrado borrar alguna que otra
sílaba de su nombre; como yo, nunca aprendió a leer bien
la herencia, sus papeles falsos.
VIII

Ohne viel Drama geht der Geist meines Vaters
durch meinen Tag. Jeden Morgen rasiert er sich,
duscht und geht joggen (auf den Tod soll man
bestmöglich vorbereitet sein).

Wir sehen uns oft. Wenn er spricht, dann verzögert,
seine Stimme ist voller Steine. Er ist hier, um
hinauszublicken, zu grübeln, die Jahre zu zählen,
als wäre Zeit ein angebissener Apfel. Er weiß nicht,
wie oft er schon starb, in welchen Gedichten
und welchen Winkeln. Wie viele Väter er war,
ist ihm auch nicht bekannt.

Er trägt die heile Haut spazieren, ganz ungeniert,
völlig entspannt ist ihm klar, dass sie sein Sarg sein wird
und kein Kehrreim. Sie verhüllt die Knochen gut, damit
man sie ihm nicht stehlen kann wie irgendeinem Heiligen.

Der Geist meines Vaters ist kein guter Geist:
Er weiß, keine der vergangenen Zeiten war besser.
Er besteht auf Essen und Trinken, kommt der Gepflogenheit
zu atmen und zu schlafen nach, misst regelmäßig den Puls,
um bei der Geschwindigkeit des Wachstums der Pflanzen
dabei zu sein. Lässt sich nachts nicht blicken,
ruft mich weder Hamlet, noch bittet er mich seinen Tod zu rächen.

Der Geist meines Vaters vergaß schon vor Jahren,
wie der eigene Vater aussah, er hat es fertiggebracht,
einige Silben seines Namens wegzulassen; wie ich hat er
nie gut das Erbe, seine gefälschten Papiere lesen gelernt.

Adalber Salas Hernández, geboren 1987 in Caracas. Lyriker, Essayist und Übersetzer. Studium der Literatur und Philosophie. Redaktionsmitglied der Revista Poesía, Universidad de Carabobo. Aktuell promoviert er an der Fakultät für Spanisch und Portugiesisch an der New York University. Gedichtbände: La arena, el vidrios (Equinoccio, 2008), Extranjero (Bid & co. editor, 2010); Suturas (Bid & co. editor, 2012); Heredar la tierra (Común Presencia, 2013);  Salvoconducto (XXXVI Premio de Poesía Arcipreste de Hita, Pre-textos, 2015); Río en blanco (Sudaquia, 2016); mínimos (Amargord Ediciones, 2016).
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